Synsopsis
Die Akte Tschaikowsky - Bekenntnisse eines Komponisten

ARTE-Pressetext

Peter Tschaikowsky (1840-93) ist in Russland ein Nationalheld. Doch er war schwul - vielerorts immer noch ein Tabu. Bis hin zu den mysteriösen Umständen seines frühen Todes war sein Leben ein Ringen mit der Homosexualität.

Der Film erzählt Tschaikowskys Geschichte auf radikal neue Weise: als eine Art Videotagebuch, das auf Selbstaussagen des Komponisten fußt. Im Mittelpunkt stehen Tschaikowskys Beziehungen: seine Ehe, mit der er den Schein zu wahren versuchte und die für beide Ehepartner zur Hölle wurde, sowie die oft flüchtigen Liebschaften mit Männern. Briefe und Tagebuchnotizen zeugen von Tschaikowskys Hadern mit sich und der Welt und liefern den Stoff für das packende Psychogramm.

Angetrieben von den Analysen der Tschaikowsky-Experten schickt Regisseur Ralf Pleger den Komponisten auf eine Tour de Force durchs heutige Berlin. Ob schwule Community, Auswahl eines Brautkleides, Verführung vor dem Kaminfeuer oder ein Abstecher nach Florenz: Wir sehen die Welt mit Tschaikowskys Augen, durch das Objektiv seiner Handy-Cam. Mit diesem filmischen Kunstgriff rückt die Aktualität von Tschaikowskys Schicksal in den Mittelpunkt, ebenso wie die oft verkannte Modernität seiner emotional berührenden Musik.

Für den dokumentarischen Faktencheck des rauschhaft inszenierten Filmes sorgen die Interviews mit internationalen Künstlern und Experten. Ballett-Star Vladimir Malakhov und der exzentrische Organist Cameron Carpenter, bekannt für originelle Deutungen des Werkes von Tschaikowsky, sprechen über ihre eigenen Erfahrungen als schwule Künstler. Die Analysen des Biografen Philipp Bullock, der Tschaikowsky-Forscherin Kadja Grönke und des Psychologen David Garcia helfen, Tschaikowskys Sicht der Dinge psychologisch und historisch einzuordnen und in einem größeren Kontext zu sehen. So ist „Die Akte Tschaikowsky – Bekenntnisse eines Komponisten“ vor allem ein Film über die menschliche Tragödie des Andersseins und das Ringen mit der Frage: Wer bin ich?